Obwohl man weiß, dass virtuose Interpreten kräftig verzierten, haben derartige Quellen in der Praxis nur wenig Beachtung gefunden: Denn was da auf dem Papier steht, wirkt oft so aberwitzig überladen, dass man geneigt ist, an notierte Kuriositäten und nicht an ernsthafte Kunst zu glauben.

Steger aber beweist das Gegenteil: Obwohl ihn das Feuerwerk an Trillern, Vorhalten und wilden Kaskaden selbst in den langsamen Sätzen dazu zwingt, schneller zu spielen, als ein Vogel zwitschern kann, wird Corellis schlichte Architektur keineswegs verdeckt. Bei einer schier unglaublichen Leichtigkeit, Schnelligkeit und Differenziertheit seines Spiels bringt Steger zugleich das Kunststück fertig, aus kleinsten Noten große Melodiebögen zu gestalten, deren Sinnlichkeit durch die vielen kleinen Vorhalte und rhythmischen Verzögerungen nur noch intensiviert wird. Ein musikalisches Aha-Erlebnis!

Karsten Niemann in RONDO, 5 Noten für ‚Mr Corelli in London’!

Nächster Beitrag
Vorheriger Beitrag
Menü
X
X